Kufsteinerland Radmarathon 2026

Oder: die Reise auf ungesicherten Straßen durch Tirol 😉

• Fahrer: Andrea Lugano, Marco Mancini, Sebastian Weinert
• Distanz: 119km, 1’850hm
• Zeiten und Plätze (Ak 1986-’77):
Andrea 3:32:24h Platz 20, Marco 3:27:55 Platz 10, Sebastian 3:20:20h Platz 7
• Wo: Kufstein, Tirol, Österreich
• Wann: 23. August 2026
• Wetter: 12-23° Celsius, sonnig

Aufstehen um fünf. Frühstück, Zurechtmachen, was noch fehlt und ab zum Warmfahren bzw. Startaufstellung ab 6.30 Uhr. Es ist fast Ende August und 1’800 Fahrer und Fahrerinnen (diesmal: 20% Frauenanteil, Tendenz steigend) finden sich zum Kufsteinerland Radmarathon in der schönen Stadt Kufstein am Inn ein.

Pünktlich und bei noch kalten 12° Celsius geht es los und es wird erst einmal neutralisiert hinter der Rennleitung ans andere Innufer, vorbei an einer Baustelle gefahren, ehe das Rennen scharf gestellt ist. Dann geht es richtig los Richtung Thiersee rein ins Bergvergnügen. Denn mit 1’800 Höhenmetern geht es beim Kufsteiner zwar auch mal geradeaus, doch die Berge haben es umso mehr in sich.

Nach den ersten knapp 190 Höhenmetern mit einem 30er Schnitt ist vorne erst einmal verschnaufen angesagt. Teilweise musste ich (Sebastian) hier 360-380 Watt fahren, um mit den besten und dann mit Gruppe zwei mitfahren zu können. Das sind immerhin über 6W/kg. Zum Vergleich: Profi Fausto Masnada hält hier den Rekord; er war an dem nur 5,2 Kilometer langen Anstieg 3,4 km/h bzw. 1 Minute schneller als ich (bei der Tour of the Alps 2019).

So ging es weiter nach Hinterthiersee, vorbei durch die atemberaubende Alpenkulisse Tirols. Nach 11 Kilometern hatten sich dann auch eigentlich alle so eingefunden, dass es ungehindert in die gefährlichste Abfahrt des Tages gehen konnte; den Turn durch Grub mit maximal 81.7km/h.

Es ging alles gut und die ersten beiden Frauen waren auch mit in der Gruppe (verrückte Abfahrerinnen, die zwar wissen, wie man schnell runterfährt, hier aber wirklich Kopf und Kragen riskieren). Ein Stück geradeaus, nochmal eine kleine Schippe zur Marblinger Höh’ und dann weiter Zurück nach Kufstein. Dann nach Rechts ins lange Inntal; jetzt schon mit leichtem Rückenwind, der auf dem Rückweg nach Kufstein dann für Headwind sorgen soll.

Das Durchwechseln ging gut; niemand fuhr eigentlich Vollgas und alle wollten in einem Stück ins Ziel zur Pastaparty und einem kühlen Hellen. So wurde anständig gefahren und niemand fuhr waghalsig oder riskant.

Der Anstieg des Tages

In Kramsach stand dann der Scharfrichter des Tages, der Anstieg nach Brandenberg auf dem Menü: 8,9 Kilometer und 422 Höhenmeter zieht sich das teils 13% steile Teilstück bergauf. Sebastian’s Zeit 2026 liegt bei 25:38 Minuten, was über 5 Minuten langsamer als Profi Laurens De Plus ist.

Nach dem Ort Brandenberg wurden wir professionell von Danilo verpflegt, der uns eine 1A Rennverpflegung zukommen ließ und mit frischen Flachen von KEEGO und Gels am Rand gestanden ist.

Und da ging es auch schon in die kleine Abfahrt, die uns Fahrer in den letzten Stich nach der Haarnadelkurve scharf links rauf nach Aschau brachte. Ein Hammerberg; was soll man sagen: zum Teil mit einer 6’300er VAM über 400 Meter gefahren, tat das Teilstück sauber weh! Ich kann hier allerdings nur einen Messfehler von Strava vermuten, die diese Daten zur Verfügung stellen. Denn meine VAM lag die ganze Zeit irgendwo zwischen 1’000 und 1’900. Hier oben am in Aschau wurde lautstark angefeuert, mit lauter Musik aus Bluethooth-Boxen und – wie am Brandenberg etwas früher – mit Signalhörnern und Plastiktrompeten, was ein Tour de France ähnliches Rennfeeling erzeugte.

Zurück ins Inntal

Weiter in die Abfahrt und runter nach Kramsach wo uns die Strecke Richtung Rattenberg über den Inn führte. Eine lange Gerade mit guten Begleitern ließ den Abschnitt schnell verfliegen, wir hatten hier bereits über 90 Kilometer in den Beinen. Zurück ans Nordufer des Inn, ging es in Breitenbach scharf rechts weg in den letzten echten Anstieg nach Angerberg.

Die 6-8 Mann starke Gruppe ging gut und so segelten wir mit 45-47 km/h zurück Richtung Kufstein, wo nochmal die Tür rechts zuging, um nach einigen rechts-links-Kombinationen zu sprinten und sicher in Kufstein die Ziellinie zu überfahren.

Kurz danach kam LEODINi Marco Mancini ins Ziel; dann Andrea Lugano.

Alles in allem eine gelungene Veranstaltung, wenngleich immer die Sorge der Sturzgefahr mitschwingt. Zahlreiche Streckenposten und die Freiwilligen Feuerwehren sorgten für sichere Ortsdurchfahrten, doch leider wurde wenig gepolstert, wie mit Stroh oder Matratzen. Auch nahm der (Gegen-)Verkehr nach 9 Uhr merklich zu; eine komplett gesperrte Strecke könnte hier nur die ein oder andere Überraschung in den Abfahrten sicher vermeiden. Immerhin lassen 1.800 Fahrer und Fahrerinnen einen Haufen Startgeld in Tirol und der Tourismusverband gibt um fast 2.000 Übernachtungen für solch ein Wochenende in Kufstein an. Da hätte man als Veranstalter vielleicht doch mal ein starkes Argument für eine Vollsperrung entlang der Route oder zumindest gewisser Abschnitte wie auf den Abfahrten.

Danke an alle LEODINi, an Andrea’s Frau, die uns die warmen Jacken am Start abgenommen hat und Danilo, der extra für Verpflegung und Streckenbesichtigung am Vortag die lange Anreise mit auf sich genommen hat und an Marco bei dem wir übernachten durfen.

Der Kufsteinerland Radmarathon fand heuer übrigens schon zum 10. Mal statt.

Fotos folgen.

VAM = velocità ascensionale media oder vertical ascent in meters per hour

/sw

Und jährlich grüßt das Kufstein Tier

Fahrer: Andrea, Basti, Matteo, Robert
Ort: Kufstein, Tirol, Österrreich
Wetter: 17-25° C
Strecke: 117,3km 2.034hm (gemessene Strecke),
120km, 1.800hm (offizielle Angabe)
Zeit: 3:19:01h (gemessene Zeit), 3:21:06h (offizielle Zeitnahme)
Platzierungen: Basti 6. (Herren 4), Andrea 27. (Herren 3), Robert 24. (Herren 4) Matteo 94. (Herren 3).

Unsere kleine Foto Galerie seht Ihr hier:

© Alexandra Weinert

Gleich nach dem Start ging es zügig los. Und Richtung Hinterthiersee wurde aus Kufstein raus nicht unbedingt langsam gefahren. Und unsere Fahrer Andrea, Basti wie unser neuer Mitstreiter Robert waren in der ersten Gruppe dabei. Und Matteo kam gleich danach.

Den ersten Berg nach Hinterthiersee konnten Basti und Andrea in der ersten Gruppe mitgehen. Basti fuhr dann bergab weiter mit Ex MTB Profi Martin Gluth, der die Führung übernahm. Doch bald, an der nächsten fiesen Rampe, nach Vorderthiersee, wurde es dann doch zu schnell und Basti fiel zurück in eine zweite Gruppe; etwa um Platz 25 war er dann unterwegs. Nach Hinterthiersee ging es zurück nach Kufstein, ehe es kurz vor Kufstein am Kreisel rechts zum ersten Mal in die lange Gerade durch das Inntal weiter ging.

Etwas weiter hinten noch bildete sich nun eine Verfolgergruppe, mit belgischem Kreisel, der einigermaßen funktionierte; jeder ging irgendwie mit durch die Führung. Und so schloss man auch gemeinsam wieder zur großen Spitzengruppe mit Martin Gluth, Frederik Böna (Rennrad-Magazin) und den anderen starken Teamfahrern von Tirol KTM Cycling auf. Zu diesem Zeitpunkt hatten sich allerdings fünf Fahrer vorne abgesetzt, aus denen dann auch der spätere Sieger Maximilian Kuen hervorging.

Bis zum Berg des Tages alles richtig gemacht.

Andrea war auch in der zweiten Gruppe vertreten und es lief gut bei ihm. Basti versuchte nun durch Führungsarbeit an der Spitze des Verfolgerfeldes, die leichten “Stiche” bergauf, Ruhe in den wilden immer wieder von Attacken durcheinander geworfenen Haufen zu bringen. Es gelang mäßig und ab Kilometer 58 – kurz nach Kramsach – ging es Richtung Aschau erstmal nur noch bergauf. Basti lies reißen und war nun aus der Spitzengruppe raus.

Ins Ziel geschleppt

Nach Kilometer 80 ging es im Inntal dann wieder einigermaßen. Zuvor stand der berühmte Mann mit dem Hammer kurz nach Aschau und bremste Basti. Bei Andrea lief es das Rennen über gut und er konnte sich in seiner Gruppe behaupten.
Basti fuhr das Inntal mit 37-40 km/h alleine zurück nach Kufstein; holte kurz vor dem Ziel noch eine größere Gruppe ein, überholte diese, wurde aber selbst dann im Sprint um die Plätze geschlagen. Im Ziel Stand Platz 65 mit einer Zeit von 3.21.06h zu buche, zwei Plätze vor Andrea auf Gesamtgang 67 (Ak 27.); das ist mit einer durchschnittlichen Wattleistung von 20 mehr als im Vorjahr zwar eine Steigerung und als Ak (Altersklassen) 6. ist das Rennen auch nicht wirklich schlecht verlaufen. Allerdings war der Sieger auch 13 Minuten schneller unterwegs. Und das ist eine Menge Holz. Fazit: schönes Rennen, fitte Leute am Start und mit Tirol eine wirklich schöne Gegend mit super Straßen(belag)!

Im kommenden Jahr werden wir mit dem Team Imster und Kufsteiner auslassen. Was beim Imster wirklich noch gelobt werden konnte, war die Verbesserung in der Sicherheit. Beim Kufsteiner gab es das nicht: ab Kufstein Ortsausgang waren die Straßen frei für den öffentlichen Verkehr und über 1.100 Rennradler schlängelten sich zwischen den Autos hindurch. Teilweise gefährliche Abfahrten nahmen Verrückte (die es leider wieder nicht gelang aus der Starterliste auszuschließen) auf der falschen Seite und prallten auch teilweise in Autos. Autos verschätzten sich auch teilweise in ihrer eigenen Geschwindkeit (oder der von uns Rennradlern) und zwängten sich bergab zwischen zwei oder drei Fahrer und eine aufrollende Gruppe—alles in allem vermeidbar. Und die Startzeit von 7 Uhr 30 muss vielleicht auch nicht sein…


Und die anderen?

Matteo startete viel weiter hinten als Andrea, Basti und Robert; quasi aus der letzten Reihe. Sein Statement: “Ich wollte mich bis zum Ende warm fahren und kam deshalb kurz vor dem Startschuss zum Hauptplatz und startete weit hinten im Feld. Ich konnte mein Tempo finden, vor allem auf den zwei großen Anstiegen und von Gruppe zu Gruppe weiter vor fahren.”

Und was sagt Robert? “Beim Kufsteiner muss man ab Meter 1 richtig drücken und bis Hinterthiersee zum Teil an seine Grenzen gehen, um nachher noch in einer guten Gruppe im Flachen mitzusegeln. Das macht den Radmarathon so besonders für mich. Zudem Top Athleten und tolles Panorama – so machen Rennen Spass.”